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26. September 2026 | Aufbaukurstagung

Zu Gast: Michael Roher

 


Michael Roher hat viele Talente. Dass er Gedankenbrisen und Kopforkane zu Bildern umsetzen kann, wissen wir schon längst. Oder dass er nicht nur mit Strichen und Farben, sondern auch mit Worten zu erzählen vermag. Dass er neben Worten auch mit Bällen und Keulen famos jonglieren kann, haben die wahren Fans unter uns schon erlebt. Aber eines der vielen Talente des Herrn Michael Rohers war vor dem STUBE-Freitag, der es sich ausnahmsweise an einem Samstag gemütlich machte, vielleicht noch unbekannt: Michael Roher kann sich verwandeln.
Wer nicht dabei war, schüttelt jetzt womöglich gutmütig, aber ungläubig den Kopf. Verwandeln, ach Mumpitz!
Doch! Möchte ich dagegenhalten. Aber erst einmal eines nach dem anderen.

Wenn die STUBE Feste feiert, kann man sich traditionell auf wunderbare Geschenke freuen. So geschah es auch im Rahmen der Aufbaukurstagung, als die Teilnehmer*innen nach intensiven und lohnenden Tagen, nach der surrenden Aufregung der Abschlusspräsentationen und der Diplomverleihung – nun von allen Pflichten befreit und ordentlich erfrischt am Brunnenmarkt-Buffet – den Abend gemeinsam mit Michael Roher als literarischem Gast beschließen durften.


Im Werkstattgespräch mit Heidi Lexe erzählte der Illustrator und Autor, der in seiner Laufbahn gleich mehrmals den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis verliehen bekam und diesen neben den Outstandig Artist Award, eine Nominierung zum deutschen Jugendliteraturpreis und den Christine-Nöstlinger-Preis ins Regal reihen kann, aber erst einmal von den Anfängen. Also stopp, nicht von Das Buch der Anfänge: 33 Einladungen zum Weiterdenken. Obwohl: Das gemeinsam mit Heinz Janisch entstandene Werk, das durch Text- und Bildimpulse die Leser*innen dazu animiert, zu den gebotenen Anfängen eigene Narration zu entspinnen, kam auch ins Gespräch, aber erst etwas später. Am Anfang erzählte Michael Roher also wirklich von den Anfängen. Von der Zeit, als er begann, sich als Autodidakt mehr und mehr ins Illustrieren zu lehnen. Als die Abschlussarbeit seiner sozialpädagogischen Ausbildung ein Bilderbuch wurde. Als er beim Dixi-Kinderliteraturpreis mitmachte und sich als Tutorin die großartige österreichische Illustratorin Linda Wolfsgruber aussuchen und von ihr lernen durfte. Als dieses Lernen und Wachsen und auch ein gemeinsamer Besuch mit Linda Wolfsgruber auf der Kinderbuchmesse in Bologna in seinem ersten Bilderbuch „6, 7, 8, Gute Nacht“ auf der Bildebene deutliche Spuren der Inspiration hinterlassen hatten. Als er, dessen Herz in erster Linie für das bildnerische Gestalten und Illustrieren geschlagen hatte, mit einem seiner frühen Bilderbücher „Fridolin Franse frisiert“ auch für den Text freudig zu klopfen begann und sich mehr und mehr Worte zu Absätzen, zu Geschichten und schließlich zum Roman formten.

Dennoch blieb die Zusammenarbeit mit Schreibenden ein kontinuierlicher Teil seines kreativen Schaffens. Dass ihm, der das Experimentieren liebt und der sich gerne an neuen Illustrationsstilen und -techniken versucht, dies nie langweilig wurde, lag vor allem daran, dass die verschiedenen Zusammenarbeiten immer wieder neue Aufgaben mit sich brachten. Manche Schreibende denken die Bildwelt schon einmal vorweg mit und haben hier klare Vorstellungen, andere wiederum lassen hier den Ideen und Visionen des Künstlers alle Freiheiten. Manchmal, so erzählte Michael Roher, fänden sich die Bilder auch ganz von allein in einer fixen Überzeugung in seinem Kopf. So etwa bei dem ebenfalls mit Heinz Janisch entstandenen „Schneelöwe“, bei dem Michael Roher in Blau-Weiß arbeiten wollte und sich bei der Frage nach der richtigen Technik schnell die Antwort Cyanotypie formte. Als er, überzeugt davon, am richtigen Grafikpfad zu wandeln, einer Bekannten von seinem Vorhaben erzählte, meinte diese nur unbeeindruckt: „Ach, das ist die Technik, mit der jetzt alle was machen.“ Michael Roher verwarf das Vorhaben also wieder, blieb aber bei der blauweißen Idee und verlegte sich schließlich auf ein Werkzeug, das uns allen mehr Begriff ist als die mysteriöse Cyanotypie (auch nach mehrmaligem Anlauf eben wieder falsch getippt, wenn auch graphisch sehenswert): der Kugelschreiber. Eines der vielen Talente, die Michael Roher neben dem Sich-Verwandeln hat, zeigte sich in „Schneelöwe“ in besonderem Maß, wenn es ihm gelingt, mit etwas, das zum schnellen Mitschreiben und ennuyierten Telefongesprächgekritzel erschaffen wurde, große Illustrationskunst aufs Papier zu bringen. Wie viele Schattierungen von Blau (mehr als 50!) hier im Spiel sind, lässt sich am besten mit einem vertiefenden Blick ins Buch (und einer erweiternden Lektüre zum >>> Religiösen Buchtipp der STUBE) feststellen.


Auch in „Zu Fuß“ kam eine Technik zum Tragen, die eine eindrückliche Farbwelt eröffnet, diesmal nämlich die flächigen Grün-Gelb-Blau-Nuancen des Pantone-Farbdrucks. So unterschiedlich die angewandten Techniken auch ausfallen, lässt sich in Michael Rohers Büchern dann dennoch eine Stilsicherheit erkennen, die sich stringent durch jedes einzelne Werk zieht. Auf die Frage Heidi Lexes, aus welchen Gründen heraus er Buchprojekte ablehne, antwortete er mit einer Mischung aus dem Respekt seiner Kolleg*innenschaft gegenüber, einer gesunden Selbsteinschätzung und einer ordentlichen Portion Pragmatismus: Wenn er das Gefühl hat, jemand anderes könnte es besser. Und aus Zeitgründen. Denn dass sich Michael Roher für jede illustrierte Seite Zeit für Details und abgerundete Arbeit nimmt, ist kein Geheimnis. Dass dies nun mal dauert, ebenso wenig. (In einer Zeit, da auf drei entsprechende Prompts hin KI-gestützte Programme innerhalb von Sekunden Bilderbücher ausspucken und auch gleich auf Amazon feilbieten, ein beruhigender Umstand).
Schließlich kehrte das Werkstattgespräch zu „Kali kann kriminal“, dem zweiten Teil des gefeierten Romans „Kali kann Kanari“, zurück. Dass es diese Fortsetzung gibt, hätte ihn selbst überrascht. Nun aber steht sogar ein Abschluss als Trilogie in Aussicht. Wir dürfen gespannt sein.
Als Heidi Lexe die Bühne an Michael Roher übergab, um uns mit einer Leseprobe einen Einblick in die kriminellen Verstrickungen Kalis, Papas und der anderen Verdächtigen zu geben, geschah es dann:
Michael Roher verwandelte sich.

Vor unser aller Augen. Und das gleich mehrfach.


Der Zauber entfaltete sich kurz, nachdem uns der Illustrator einen Live-Einblick in seine Kunst gab und die Gesichter der Romanfiguren zum besseren Verständnis des Inhalts bildfüllend aus dem Handgelenk auf ein Flipchart schüttelte. Dann schlug er das Buch auf, las die ersten Sätze und der Zauber vollzog sich. Da stand er plötzlich, der kleine Kali, der Inbegriff dessen, was unsere Großmütter noch als Lausbub geheißen hätten, und lispelte sich freudenstrahlend durch Szenen im Escape-Room. Kaum naseweis, erschien dann auch schon der nach ätherischen Ölen duftende Schorsch an seiner statt, gefolgt von Meinrad und Papa, von Lisbeth und dem schwerhörigen Opa Udini, dem ewigen Satz-Verquatscher, der zu einem der stärksten Wortjongleure des Romans geriet. Las im rauen Opa-Gebell und dem hingeschnoderten Jugendsprech der Escape-Room-Angestellten, im aufgeregten Niederösterreichisch der Pensionist*innengruppe und den einzigartigen Soziolekten der Wohn-Weg. Michael Roher wurde sie alle in Personalunion und schuf seinen Text für uns Zuseher*innen noch einmal neu. Das Amüsement des Publikums entlud sich in entsprechender Begeisterung und dem Wunsch, Kali zumindest in Buchform mit nach Hause nehmen zu können. Und das empfehlen wir ebenso. Kali und den Schneelöwen und all die anderen wunderbaren Figuren, die der talentierte Michael Roher mit Worten, Farben und handgelenksgeschüttelten Strichen in die Welt zaubert. Zum Kennenlernen, Ansehen und zum Immer-wieder-zur-Hand-Nehmen, wenn das Herz gerade danach verlangt.

text & bilder iris gassenbauer

 

 

 

 

 

 

 


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